Das Unternehmen und die eigene Rolle im Betrieb beschreiben
Bevor du Systeme baust oder administrierst, musst du verstehen, wo du arbeitest. LF01 legt das kaufmännische Fundament: Wie ein Unternehmen aufgebaut ist, wie es Werte schafft – und welche Rolle du darin spielst.
Kernkompetenz: Du kannst dein Unternehmen anhand seiner Wertschöpfungskette präsentieren und deine eigene Rolle im Betrieb beschreiben.
1. Das Zielsystem eines Unternehmens
Jedes Unternehmen verfolgt Ziele. Diese lassen sich in drei Dimensionen einteilen – das sogenannte Nachhaltigkeitsdreieck (englisch: Triple Bottom Line):
- Ökonomische Ziele – Gewinn, Umsatz, Rentabilität, Marktanteil, Liquidität. Ohne wirtschaftlichen Erfolg überlebt kein Betrieb.
- Ökologische Ziele – schonender Umgang mit Ressourcen, Energieeffizienz, Reduktion von Emissionen und Elektroschrott. In der IT z. B. „Green IT".
- Soziale Ziele – faire Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden.
Zielbeziehungen
Ziele stehen nicht isoliert nebeneinander – sie beeinflussen sich gegenseitig:
- Komplementär – ein Ziel fördert das andere (z. B. Kundenzufriedenheit ↑ → Umsatz ↑).
- Konkurrierend (konfliktär) – ein Ziel geht auf Kosten des anderen (z. B. mehr Umweltschutz kostet kurzfristig Gewinn).
- Indifferent (neutral) – die Ziele beeinflussen sich nicht.
Das Unternehmensleitbild fasst Ziele und Werte in einem öffentlich formulierten Dokument zusammen. Es beantwortet: Wer sind wir, wofür stehen wir, wohin wollen wir?
Merksatz: Ökonomie, Ökologie, Soziales – die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Ein Ziel darf nicht dauerhaft auf Kosten der anderen gehen.
Quiz 1 · ZielsystemWelches der folgenden ist ein ökologisches Ziel?
Der Energieverbrauch gehört zur ökologischen Dimension. Marktanteil = ökonomisch, Mitarbeiterzufriedenheit = sozial.
Quiz 2 · Zielsystem„Mehr Umweltschutz senkt kurzfristig den Gewinn." Welche Zielbeziehung liegt vor?
Wenn ein Ziel auf Kosten eines anderen geht, spricht man von konkurrierenden (konfliktären) Zielen.
Quiz 3 · ZielsystemWozu dient ein Unternehmensleitbild?
Das Leitbild formuliert Identität und Ziele nach innen und außen – es ist kein Finanz- oder Personaldokument.
2. Marktstruktur und Kundenbeziehungen
Ein Unternehmen ist ein offenes System: Es steht in ständigem Austausch mit seiner Umwelt. Wichtige Marktteilnehmer sind Kunden, Lieferanten und Wettbewerber.
Kundentypen
- B2C (Business-to-Consumer) – das Unternehmen verkauft an Privatkunden.
- B2B (Business-to-Business) – das Unternehmen verkauft an andere Unternehmen. In der IT sehr häufig.
Marktformen
Die Marktform beschreibt das Verhältnis von Anbietern zu Nachfragern:
| Marktform | Anbieter | Beispiel |
|---|---|---|
| Monopol | einer | lokaler Wasserversorger |
| Oligopol | wenige | Mobilfunknetzbetreiber |
| Polypol | viele | Webdesign-Agenturen |
Der Preis bildet sich grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage: Ist ein Gut knapp und stark nachgefragt, steigt der Preis – und umgekehrt.
Quiz 1 · MarktEin Systemhaus verkauft Server und Wartungsverträge an andere Firmen. Welches Geschäftsmodell ist das?
Verkauf an andere Unternehmen = B2B (Business-to-Business).
Quiz 2 · MarktAuf einem Markt gibt es sehr viele Anbieter und viele Nachfrager. Wie heißt diese Marktform?
Viele Anbieter = Polypol. Merkhilfe: „poly" = viele.
Quiz 3 · MarktEin Produkt wird knapp, die Nachfrage bleibt hoch. Was passiert typischerweise mit dem Preis?
Knappes Angebot bei hoher Nachfrage → der Preis steigt. Das ist das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.
3. Die Wertschöpfungskette
Die Wertschöpfungskette (nach Michael Porter) zeigt alle Aktivitäten, mit denen ein Unternehmen aus Vorleistungen ein verkaufsfertiges Produkt oder eine Dienstleistung macht. Jede Aktivität fügt Wert hinzu.
Man unterscheidet:
- Primäraktivitäten (Kernprozesse) – direkt wertschöpfend, z. B. Eingangslogistik, Entwicklung/Produktion, Vertrieb, Service.
- Unterstützungsaktivitäten (Sekundärprozesse) – ermöglichen die Kernprozesse, z. B. Personal, Beschaffung, IT-Infrastruktur, Buchhaltung.
Vereinfacht für einen IT-Dienstleister:
Beschaffung → Entwicklung/Integration → Test & Qualitätssicherung → Vertrieb → Support
Deine Tätigkeit als Fachinformatiker:in ordnet sich in diese Kette ein – meist in Entwicklung, Integration oder Support.
Merksatz: Primäraktivitäten schaffen direkt Wert am Produkt. Unterstützungsaktivitäten machen das möglich, ohne selbst am Produkt zu arbeiten.
Quiz 1 · WertschöpfungWelche Aktivität ist eine Unterstützungsaktivität?
Die Buchhaltung unterstützt den Betrieb, arbeitet aber nicht direkt am Produkt → Unterstützungsaktivität. Auslieferung und Programmierung sind Primäraktivitäten.
Quiz 2 · WertschöpfungWas ist die Grundidee einer Wertschöpfungskette?
Kernidee: Vom Rohmaterial bis zum Verkauf fügt jeder Schritt Wert hinzu.
4. Aufbau- und Ablauforganisation
Die Aufbauorganisation legt fest, welche Stellen und Abteilungen es gibt und wie sie einander über- und untergeordnet sind. Sichtbar wird sie im Organigramm. Die Ablauforganisation regelt dagegen, wie und wann Arbeitsprozesse ablaufen.
Leitungssysteme
- Einliniensystem – jede Stelle hat genau eine vorgesetzte Stelle. Klare Wege, aber lange Dienstwege.
- Mehrliniensystem – eine Stelle kann mehrere Vorgesetzte haben (z. B. fachlich und disziplinarisch getrennt).
- Stab-Linien-System – Linienstellen werden durch beratende Stabsstellen (ohne Weisungsrecht) ergänzt.
- Matrixorganisation – Verantwortung nach Funktion und Projekt; in IT-Projekten häufig.
Merksatz: Aufbauorganisation = Wer arbeitet (Struktur/Stellen). Ablauforganisation = Wie & wann gearbeitet wird (Prozesse). Diese Unterscheidung wird gern geprüft.
Quiz 1 · OrganisationWas regelt die Ablauforganisation?
Die Ablauforganisation beschreibt Prozesse (wie & wann). Die Anordnung der Stellen ist die Aufbauorganisation.
Quiz 2 · OrganisationIm Einliniensystem gilt: Jede Stelle hat …
Im Einliniensystem erhält jede Stelle Weisungen von genau einer übergeordneten Stelle.
Quiz 3 · OrganisationEine Stabsstelle (z. B. Justiziariat) hat …
Stabsstellen beraten die Linie, haben aber kein Weisungsrecht.
5. Rechtsformen von Unternehmen
Die Rechtsform bestimmt Haftung, Kapitalbedarf und Leitung. Grob unterscheidet man Einzelunternehmen, Personengesellschaften (GbR, OHG, KG) und Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG). Für die Prüfung solltest du diese sicher unterscheiden können:
| Merkmal | Einzelunternehmen | GmbH | AG |
|---|---|---|---|
| Rechtsnatur | natürliche Person | juristische Person | juristische Person |
| Haftung | unbeschränkt, auch privat | auf Gesellschaftsvermögen | auf Gesellschaftsvermögen |
| Mindestkapital | keins | 25.000 € Stammkapital | 50.000 € Grundkapital |
| Leitung | Inhaber:in | Geschäftsführer:in | Vorstand, Aufsichtsrat, HV |
Die UG (haftungsbeschränkt) ist eine „Mini-GmbH": schon ab 1 € Stammkapital gründbar, muss aber Rücklagen bilden, bis 25.000 € erreicht sind. Faustregel: Die Rechtsform ist ein Kompromiss zwischen einfacher Gründung und Haftungsbeschränkung.
Quiz 1 · RechtsformenWie hoch ist das Mindeststammkapital einer GmbH?
Die GmbH benötigt 25.000 € Stammkapital. 50.000 € gelten für die AG, 1 € für die UG.
Quiz 2 · RechtsformenWer haftet beim Einzelunternehmen im Ernstfall?
Beim Einzelunternehmen haftet der Inhaber unbeschränkt – auch mit dem privaten Vermögen.
Quiz 3 · RechtsformenWelche Aussage über die GmbH ist richtig?
Die GmbH ist eine juristische Person; die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt.
6. Handlungs- und Entscheidungsspielraum: Vollmachten
Nicht jede:r Mitarbeiter:in darf für das Unternehmen rechtsverbindlich handeln. Der Rahmen wird durch Vollmachten gesetzt:
- Prokura (§ 48 ff. HGB) – die umfangreichste Handlungsvollmacht. Erlaubt nahezu alle Geschäfte eines Handelsbetriebs und wird ins Handelsregister eingetragen. Ausgenommen sind u. a. Grundstücksverkäufe (dafür braucht es eine Sondervollmacht) sowie „Grundlagengeschäfte" wie die Unterzeichnung der Bilanz.
- Handlungsvollmacht (§ 54 HGB) – für die üblichen Geschäfte einer bestimmten Stelle, z. B. Bestellungen im IT-Einkauf. Wird nicht ins Handelsregister eingetragen.
Für dich als Azubi heißt das konkret: Kläre, welche Bestellungen oder Zusagen du eigenständig treffen darfst – und wann du Rücksprache halten musst.
Merksatz: Prokura = weitreichend + im Handelsregister eingetragen. Handlungsvollmacht = auf übliche Geschäfte begrenzt + nicht eingetragen.
Quiz 1 · VollmachtenEin Mitarbeiter darf nahezu alle branchenüblichen Rechtsgeschäfte abschließen; seine Vollmacht steht im Handelsregister. Um welche Vollmacht handelt es sich?
Das ist die Prokura (§ 48 HGB) – die weitreichendste Vollmacht, eingetragen ins Handelsregister.
Quiz 2 · VollmachtenWelches Geschäft darf ein Prokurist ohne Sondervollmacht nicht tätigen?
Die Veräußerung von Grundstücken ist von der Prokura ausgenommen und braucht eine ausdrückliche Sondervollmacht.
Quiz 3 · VollmachtenWo wird eine Prokura eingetragen?
Die Prokura wird ins Handelsregister eingetragen – dort ist sie öffentlich einsehbar.
7. Eigene Rolle, Fort- und Weiterbildung
Die IT verändert sich schnell – lebenslanges Lernen ist Teil des Berufs. Zu deiner Rolle gehört, den eigenen Handlungsspielraum zu kennen und dich weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung stehen u. a. offen:
- Herstellerzertifikate (z. B. Cisco CCNA, Microsoft, AWS, LPIC)
- Fachwirt:in / Operative Professionals (IHK-Aufstiegsfortbildung)
- Staatlich geprüfte:r Techniker:in
- (duales) Studium der Informatik
Quiz 1 · WeiterbildungWelche Aussage passt zur Rolle als Fachinformatiker:in?
Gerade in der IT ist kontinuierliche Weiterbildung zentral – Technologien veralten schnell.
Quiz 2 · WeiterbildungWas ist eine typische IHK-Aufstiegsfortbildung?
Der/die Fachwirt:in ist eine IHK-Aufstiegsfortbildung. CCNA ist ein Herstellerzertifikat, der Bachelor ein Hochschulabschluss.
Prüfungsrelevanz: LF01 wird gern in AP1 abgefragt – vor allem Rechtsformen, Vollmachten und der Unterschied Aufbau-/Ablauforganisation. Diese Begriffe solltest du sicher erklären können.
Übungsaufgaben zu LF01
Zum Abschluss: Wende das Gelesene an. Beantworte jede Aufgabe, bevor du die Erklärung liest – Aufgaben mit 🔒 sind Teil der kommenden skillfi-App.